Interview mit Kantorin Birke Schreiber über das Angebot „Babykirchenlieder“
Liebe Birke, seit April 2023 gibt es das Angebot “Babykirchenlieder” in Isselhorst. Woher kommt die Idee und wie bist du darauf gekommen?
Die Idee kommt aus Dänemark. Da meine Mutter aus Dänemark kommt und mein Bruder dort lebt, hatte ich schon öfter davon gehört. Eine Berliner Kollegin bot eine sehr gute Online-Fortbildung zu dem Thema an, bei der einem vom Ablauf bis hin zu Logo und Werbung viel an die Hand gegeben wurde. Daraufhin wollte ich es unbedingt in unserer Gemeinde ausprobieren.
Wie oft und wo findet es statt? Wie lang dauert ein Treffen?
Wir treffen uns jeden Freitag um 9.30 Uhr. Das eigentliche Singen dauert eine halbe Stunde, danach ist noch Zeit zum gemütlichen Austausch bei einem kleinen Imbiss. Ich habe liebe Helferinnen, die Tee kochen, Wasser und etwas Obst mitbringen und beim Auf- und Abbau helfen.
In den Sommermonaten treffen wir uns im Altarraum in der Kirche, in den Herbst- und Wintermonaten im Gemeindehaus.
Wer kommt zum Babykirchenliedersingen? Kommen auch Väter oder Großeltern?
Es kommen überwiegend Mütter mit ihren Babies, manchmal auch Väter oder Großeltern. Alle sind herzlich willkommen. Mittlerweile spricht sich das Angebot unter den Familien herum.
Viele Menschen haben Hemmungen zu singen oder Angst, dass sie nicht singen können. Ist das ein Hindernis für euch?
Nein, hier sind die Kinder wirklich die Türöffner, die Hemmungen nehmen. Dadurch, dass es ein fortlaufender Kurs ist, gibt es immer Mütter, die schon länger dabei sind und die Lieder kennen und mitsingen. So trauen sich auch die “Neuen” von Woche zu Woche mehr. Am Anfang kennen einige die meisten Lieder nicht, aber dadurch dass der Ablauf immer gleich ist, prägen sich die Lieder wie nebenbei von Woche zu Woche ein und die Eltern werden mutiger mitzusingen.
Was für Lieder singt ihr?
Wir singen kirchliche Lieder, von alten Chorälen wie “Die güldene Sonne” und Lobe den “Herren” bis hin zu “Bewahre uns Gott”.
Babies und Kleinkinder möchten sich auch bewegen. Wie kommt das mit dem Singen zusammen?
Wir schaffen beim Babykirchenliedersingen Anreize für alle Sinne. Jede Stunde beginnt und endet mit drei Schlägen auf der Triangel. Es ist jedes Mal unglaublich, wie still und aufmerksam die Babies ab diesem Moment sind. Das Lied “Ins Wasser fällt ein Stein” singen wir beim Schwenken von Chiffontüchern, Bei “Herr, bleibe bei uns” liegen die Babies unter einem großen Touch, den die Großen wie einen Baldachin über ihnen halten. Ein besonderer Höhepunkt ist jedesmal, wenn die Kiste mit verschiedenen Rasseln, Trommeln und Glockenspielen heraus kommt und sich jedes Kind ein Instrument ausuchen kann.
Was erlebt Ihr während eurer Treffen, z.B. eine besondere Stimmung?
Es ist eine sehr herzliche und zugewandte Atmosphäre. Die Babies sorgen mit ihrer unverstellten Reaktion auf die Musik für viele besondere und berührende Momente, die uns Erwachsene oft zum Lachen bringt. Ich hatte es noch nie, dass Babies die ganze Zeit geweint hätten oder es unruhig gewesen wäre.
Gibt es schöne Erfahrungen, die du erzählen möchtest?
Eine Mutter erzählte mir, dass ihre 1,5 Jahre alte Tochter im Kinderzimmer anfing “Lobe den Herren” zu singen, als sie einen Luftballon sah (wir singen dieses Lied immer mit Luftballons). Eine andere Mutter erzählte mir, dass ihr Kind immer “Birke- singen” sagt, wenn sie an der Kirche entlang kommen. Das zeigt mir, wie sehr die Kinder die Lieder und die dazu gehörigen Rituale verinnerlichen.
Ich erinnere mich an eine Stunde in der Adventszeit. Wir sangen “Ihr Kinderlein, kommet”! und in diesem Moment ging die Tür auf, und es kamen einige Familien herein, die etwas zu spät dran waren. Das war sehr lustig.
Was, würdest du sagen, nehmen die Kinder und die Erwachsenen “mit nach Hause”?
Ich denke, sie genießen es, sich in der Musik zu vertiefen und ganz im Moment zu sein. Außerdem ist der Austausch für die Eltern wichtig und für die Kinder der Kontakt zu anderen Kindern. Es wird auch über gemeindliche Veranstaltungen informiert. Die Familien bekommen wieder einen persönlichen Bezug zur Kirchengemeinde und zu mir als Kantorin.
Im Sommer findet die Gruppe in der Kirche statt, im Winter im Gemeindehaus. Was ist anders, wenn ihr euch in der Kirche trefft? Bezieht ihr den Raum bewusst mit ein?
Das Babykirchenliedersingen hat eine besondere Qualität und Atmosphäre in der Kirche. Die Kinder kennen sich in der Kirche aus und fühlen sich wohl. Ich spiele an einer Stelle auch immer ein Stück am Klavier oder an der Orgel vor, so lernen die Kinder diese wichtigen Instrumente auch kennen. Wenn man sie dann zu anderen Gelegenheiten in der Kirche wieder trifft, merkt man ganz genau, dass sie sich zu Hause fühlen. Manchmal entsteht fast so etwas wie eine “heilige “Atmosphäre.
Das Interview entstand im März 2025. Wer mehr zum Angebot „Babykirchenlieder“ erfahren oder mitmachen möchte: Hier gibt es eine eigene Seite dazu.
Wer mehr zum Angebot „Babykirchenlieder“ erfahren oder mitmachen möchte: Hier gibt es eine eigene Seite dazu.









